Was uns Wassertiere über die Wasserqualität verraten
Wie sauber ist ein Bach? Eine chemische Wasserprobe kann uns zeigen, welche Stoffe sich zum Zeitpunkt der Probenahme im Wasser befinden. Die Tiere, die am Gewässergrund leben, erzählen dagegen eine längere Geschichte. Manche Arten benötigen sehr sauberes und sauerstoffreiches Wasser, andere kommen auch mit stärkerer organischer Belastung zurecht. Genau deshalb eignen sie sich als Bioindikatoren.
Von Güteklasse I bis IV
Traditionell wurde die biologische Gewässergüte von Fließgewässern mit dem Saprobienindex beschrieben. Dabei steht vor allem die Belastung des Wassers mit biologisch abbaubaren organischen Stoffen im Mittelpunkt.
Vereinfacht lassen sich vier Hauptklassen unterscheiden:
Güteklasse I – unbelastet bis sehr gering belastet: klares, sauerstoffreiches Wasser und wenig leicht abbaubares organisches Material.
Güteklasse II – mäßig belastet: eine gewisse organische Belastung ist vorhanden, die Sauerstoffversorgung ist aber meist noch gut.
Güteklasse III – stark verschmutzt: viel organisches Material wird abgebaut und dabei viel Sauerstoff verbraucht.
Güteklasse IV – übermäßig verschmutzt: sehr starke organische Belastung und häufig erheblicher Sauerstoffmangel.
Zwischen diesen Klassen gibt es Übergangsstufen wie I–II oder II–III. Heute erfolgt die offizielle Bewertung österreichischer Fließgewässer nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie wesentlich differenzierter und berücksichtigt neben dem Makrozoobenthos unter anderem Fische, Algen und Wasserpflanzen sowie den jeweiligen Gewässertyp. Das klassische Saprobien-System ist aber weiterhin ein wichtiger Teil der biologischen Beurteilung.
Steinfliegen – Spezialisten für sauerstoffreiches Wasser
Die Larven der Steinfliegen leben meist unter Steinen in kühlen, schnell fließenden Bächen. Viele Arten haben einen hohen Sauerstoffbedarf und reagieren empfindlich auf organische Belastungen.
Wer mehrere anspruchsvolle Steinfliegenarten findet, hat daher einen guten Hinweis auf ein weitgehend unbelastetes und sauerstoffreiches Gewässer.
Eintagsfliegen – häufig ein gutes Zeichen
Auch viele Eintagsfliegenlarven bevorzugen sauberes und sauerstoffreiches Wasser. Man findet sie beispielsweise auf Steinen, zwischen Wasserpflanzen oder im Kies.
Allerdings sind Eintagsfliegen eine sehr vielfältige Gruppe. Manche Arten sind ausgesprochen empfindlich, andere können auch mäßige Belastungen tolerieren. Deshalb reicht die Aussage „Eintagsfliege gefunden“ für eine genaue Bewertung noch nicht aus.
Köcherfliegen – von empfindlich bis robust
Ähnlich ist es bei den Köcherfliegen. Besonders auffällig sind jene Larven, die aus Steinchen, Sand oder Pflanzenteilen einen Köcher bauen.
Viele Arten benötigen gute Sauerstoffverhältnisse und strukturreiche Gewässer. Andere sind deutlich toleranter. Für die Gewässerbewertung ist deshalb auch hier entscheidend, welche Art beziehungsweise welche Köcherfliegengruppe vorkommt.
Bachflohkrebse – Hinweise auf mäßig belastete Gewässer
Bachflohkrebse (Gammarus) findet man häufig zwischen Steinen, Laub und Pflanzenresten. Sie zerkleinern abgestorbenes Pflanzenmaterial und spielen eine wichtige Rolle im Nahrungsnetz eines Baches.
Sie benötigen ausreichend Sauerstoff, vertragen aber mehr organisches Material als viele Steinfliegen. Ein häufiges Auftreten von Bachflohkrebsen kann daher gut zu einem mäßig belasteten Gewässer passen.
Wasserasseln und Schlammröhrenwürmer – wenn Sauerstoff knapp wird
Wasserasseln (Asellus aquaticus) kommen mit niedrigeren Sauerstoffgehalten und größeren Mengen abgestorbenen organischen Materials vergleichsweise gut zurecht. Treten sie sehr häufig auf, während empfindliche Arten fehlen, kann dies auf eine stärkere organische Belastung hinweisen.
Noch toleranter sind verschiedene Schlammröhrenwürmer, beispielsweise aus der Gruppe der Tubificidae. Sie können in schlammigem, stark organisch belastetem Sediment leben, in dem nur wenig Sauerstoff vorhanden ist.
Warum funktionieren Bioindikatoren?
Gelangt viel leicht abbaubares organisches Material in ein Gewässer, wird es von Mikroorganismen zersetzt. Dabei wird Sauerstoff verbraucht. Empfindliche Tiere mit einem hohen Sauerstoffbedarf verschwinden zunehmend, während tolerantere Arten einen Vorteil bekommen.
Entscheidend ist daher nicht ein einzelnes Tier, sondern die gesamte Lebensgemeinschaft. Für den Saprobienindex werden verschiedene Organismen bestimmt, ihre Häufigkeit erfasst und ihre unterschiedlichen Ansprüche berücksichtigt. Genau deshalb können biologische Untersuchungen Belastungen sichtbar machen, die bei einer einzelnen chemischen Wasserprobe möglicherweise gerade nicht messbar wären. Das Umweltbundesamt hebt diese Fähigkeit hervor, längerfristige Qualitätstendenzen abzubilden.
Wer wissen möchte, wie es einem Bach geht, sollte also nicht nur ins Wasser, sondern auch unter die Steine schauen.
Quellen und weiterführende Informationen
Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft: Leitfaden zur Erhebung der biologischen Qualitätselemente – Fließgewässer.
BMLUK: Leitfaden zur Erhebung der biologischen Qualitätselemente, Teil A2 – Makrozoobenthos.
Umweltbundesamt Österreich: Erhebung der Wassergüte in Österreich – Biologische Gewässergüte und Saprobiesystem.
BMLUK, BOKU und Umweltbundesamt: ECOweb – Benthosdatenbank Fließgewässer.
KI- unterstützt erstellt
